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Originalaufnahme 1923 |
Zustand seit 2005 |
Der wunderbare TauschEinen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben. so heißt es in einer Weihnachtspräfation. Kaum ein anderer liturgischer Text erfaßt das Geheimnis von Weihnachten tiefer: Gott wird Mensch, damit wir göttliche Menschen werden. Im Gabengebet der Mitternachtsmesse wird konkret diese Bitte ausgesprochen: Gib, daß wir durch den wunderbaren Tausch deinem Sohn gleichgestaltet werden, in dem unsere menschliche Natur mit deinem göttlichen Wesen vereint ist. In der Geburt Christi wird der unsichtbare Gott sichtbarer Mensch,
der Allmächtige wird ein hilfloses Kind. Gott nimmt die Menschennatur
an, damit wir teilhaben an seiner Gottheit. Diese Formulierung aus dem
ältesten Gebetsschatz der Tagesmesse von Weihnachten hat Eingang gefunden
in die Eucharistiefeier. Der Priester spricht bei jeder Gabenbereitung:
Wie dieses Wasser sich mit dem Wein verbindet, so laß uns teilhaben
an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.
Reinhold Ewald, der vor mehr als 75 Jahren das Fresko Geburt Christi
in der Pfarrkirche Dettingen gemalt hat, hat diesen theologischen Gedanken
außergewöhnlich deutlich zum Ausdruck gebracht. An der Wand
des Stalls von Betlehem – oder ist es die Werkstatt in Nazaret – lehnt
eine Leiter. Ewald wählt hier zur Illustrierung des geheimnisvollen
Geschehens ein Symbol aus dem Alten Testament. Jakob sah im Traum eine
Leiter, deren Spitze den Himmel berührte und auf der die Engel Gottes
auf- und niederstiegen. In diesem Bild wird der heilige Tausch greifbar.
Gott erniedrigt sich und wird den Menschen gleich, der Mensch seinerseits
hat dadurch Zugang zum göttlichen Leben.
Diese Betrachtung von Michael Pfeifer erschien in: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt 146 (1999) 25.12.99, S.30. |